Zwei Welten: „Blade Runner 2049“

Habe mir nun endlich, wenn auch mit ziemlicher Verspätung, „Blade Runner 2049“ von Denis Villeneuve auf DVD angeschaut. Hauptgrund war mein Interesse an den von Double Negative geschaffenen digitalen Charakteren, vor allem Joi, gespielt von Ana de Armas.

Die digitale Joi

Die digitale Joi (geshadet)

Joi in einem interaktiven Werbespot

Vom rein technischen Standpunkt aus sind die von Double Negative kreierten digitalen Schauspieler absolut brillant. Man muß dazu berücksichtigen, dass die Erstellung dieser Charaktere vom ersten Entwurf bis zum finalen Render etwas über ein Jahr in Anspruch nahm. Soweit, dass digitale Charaktere reale Schauspieler ersetzen können, sind wir also noch lange nicht. Vielleicht in fünf bis zehn Jahren. Ein paar technische Details: Für das Joi-Hologramm wurde an Software Maya, das relativ neue Clarisse und für das Compositing (das Einfügen in die real gedrehte Szene) Nuke benutzt. Für die überlebensgroße Joi, die in Form eines interaktiven Werbespots mit Ryan Gosling interagiert, wurde auch Houdini benutzt. Double Negative trug mit 316 Shots den Großteil der Effekte zu „Blade Runner 2049“ bei. VFX Producer war Michelle Eisenreich, VFX Supervisor Paul Lambert. Für die Arbeit an diesem Film wurde Double Negative denn auch verdientermaßen mit einem Oscar sowie einem BAFTA- und einem VES-Award ausgezeichnet.

Spinner im Film

Dieselbe Szene untexturiert

Soweit das Technische. Der Film als solcher war für mich jedoch eine einzige Enttäuschung, so daß ich, nachdem ich es geschafft hatte, mir „Blade Runner 2049“ immerhin eine ganze Stunde lang anzuschauen, mehr als einmal versucht war, den Player einfach auszuschalten. Nicht nur empfand ich den Film als denkbar langweilig, auch die Schauspieler – allen voran Ryan Gosling – agierten farblos und ohne jede Mimik (Ausnahme: Harrison Ford als Deckard). Die Monologe von Jared Leto als Niander Wallace waren für meinen Geschmack unsäglich schwülstig und ohne jede Substanz. Und – die technische Errungenschaften einmal beiseite gelassen -, das Konzept eines Hologramms, das man anfassen kann, ist für mich absolut unglaubwürdig. Wie soll das rein technisch bitte gehen?

So kann ich zu meinem Eindruck dieses Film nur mit Goethes Faust sagen: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“. Mein Tip: Schaut euch das Original von 1982 an. Die Fortsetzung von 2017 kann man sich meiner Ansicht nach wirklich sparen, und ich kann es absolut nicht nachvollziehen, wenn ich hier im Internet lesen muss, „Blade Runner 2049“ sei einer der besten Science-Fiction-Filme überhaupt. „Fiction“ ja, aber an der „Science“ müssen die Macher noch sehr arbeiten. Einem Regisseur wie Stanley Kubrick wäre das jedenfalls nicht passiert.

Stills © 2017 ALCON ENTERTAINMENT, LLC., WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND COLUMBIA TRISTAR MARKETING GROUP, INC. ALL RIGHTS RESERVED.

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Digitale Schauspieler

Auf der Website von IEEE Spectrum habe ich den aufschlußreichen Artikel „Digital Actors Go Beyond the Uncanny Valley“ entdeckt.

Ein Zitat:

„Producing a fully realistic digital double is still fantastically expensive and time-consuming. It’s cheaper to hire even George Clooney than it is to use computers to generate his state-of-the-art digital double. However, the expense of creating a digital double is dependent on the costs of compute power and memory, and these costs will inevitably fall. Then, by all accounts, digital entertainment will enter a period of fast and turbulent change.“ – Tekla S. Perry

Das „Uncanny Valley“ ist ein Begriff, mit dem viele vielleicht erst mal nichts anfangen können. Dieser Begriff beschreibt die Kluft zwischen computergenerierten Charakteren oder humanoiden Robotern und wirklichen Menschen. Dabei ist es gar nicht so einfach, den englischen Begriff „uncanny“ zu übersetzen. Sinngemäß geht es darum, dass humanoide Charaktere (Roboter oder computer-generiert) bei allen Versuchen, menschlich zu erscheinen, doch etwas Unnatürliches, irgendwie nicht Stimmiges anhaftet. Diese Kluft zu überbrücken, ist eines der vorrangigen Ziel gerade bei computer-generierten Schauspielern.