Zusammenarbeit: Gimp, Photoshop und CinePaint

Interface des Gimp 2.8

Seit ich endlich Photoshop unter Ubuntu zum Laufen bekommen habe, stehen mir nun insgesamt drei Programme fürs Bitmap-Editing zur Verfügung, die sich, wie ich festelle, sehr gut ergänzen: der Gimp 2.8, CinePaint 1.0-4 und Photoshop CS2 (leider nicht die aktuelle Version CC, aber immerhin).

Obwohl der Gimp 2.8 lediglich 8-bit Farbtiefe unterstützt (16- und 32-bit sollen in Version 2.9 kommen), nutze ich als Austauschformat das verlustfrei komprimierende Photoshop PSD, wobei aus Photoshop importierte 16-bit-Dateien vom Gimp automatisch in 8-bit umgewandelt werden.

Handling:

Von Handling her ist der Gimp überraschend intuitiv und kann mit Photoshop gut mithalten. Sowohl der Gimp als auch Photoshop unterstützen den Aufruf von Funktionen über Tastaturkürzel. Die Navigation im zu bearbeitenden Bild ist beim Gimp gut und intuitiv, da man mit dem Mausrad das Bild verschieben kann. Auch angelegte Pfade können intuitiv bearbeitet werden, wobei der Gimp leider nicht die unerreichte Feinheit der Photoshop-Pfade unterstützt. Die Kontrollpunkte sind im Gimp – wie auch in CinePaint – deutlich größer als in Photoshop. Ein Plus: Im Gimp können Pfade abgespeichert und wieder geladen werden, was in Photoshop, soweit ich gesehen habe, nicht geht.

In CinePaint sind Pfade dagegen etwas gewöhnungsbedürftig. Die Kontrollpunkte angelegter Pfade können zwar bei gedrückter STRG-Taste verschoben und auch nach dem Loslassen der STRG-Taste editiert werden, aber so intuitiv wie bei dem Gimp sind sie leider nicht. Es gibt zwar ein Spline- und Spine-Edit-Werkzeug, bei dessen Aufruf jedoch ein angelegter Pfad einfach verschwindet. Mangels geeigneter Dokumentation kann ich leider nicht sagen, wie sich dieses Manko beheben läßt. Seine Stärke kann CinePaint jedoch bei den um Grade feineren Pinseln ausspielen, zumal, wenn man in 16- oder sogar 32-bit-Farbtiefe arbeitet. An Filtern dagegen bietet CinePaint nur eine eher bescheidene Auswahl, ist doch sein hauptsächlicher Einsatzbereich das Editieren von Film-Frames. Dazu wird nach dem Laden eines Frames das sog. Flipbook über STRG+F aufgerufen. CinePaint unterstützt denn auch Formate wie Cineon, DPX, OpenEXR, TIFF, TGA oder das CinePaint-eigene XCF, das aber mit dem gleichnamigen Format des Gimp nicht identisch ist. Ergo können im Gimp abgespeicherte XCF-Dateien in CinePaint nicht geöffnet werden, und auch Photoshop unterstützt das XCF-Format nicht.

CinePaint ist wegen seines auf mehrere Fenster aufgeteilten Interfaces etwas gewöhnungsbedürftig, und auch der Gimp besitzt ja normalerweise mindestens zwei Fenster, obwohl es auch eine Version mit einem Photoshop-ähnlichen Interface gibt, die sich Gimpshop nennt. Photoshop hat zwar nur ein einziges Fenster, die verschiedenen Paletten verschwinden aber beim Arbeiten gerne mal hinter dem zu bearbeitenden Bild, so daß man das Bild verschieben muß, damit alle Paletten wieder sichtbar werden.

Filter:

CinePaint hat ja, wie bereits angedeutet, nur eine rudimentäre Anzahl von Filtern, so wie „Weichzeichnen“, „Unscharf Maskieren“, „Rauschen“ oder „Kanten finden“. Photoshop liegt mit seinen (allerdings qualitativ sehr hochwertigen) Filtern sozusagen im Mittelfeld, während der Gimp, zumal, wenn man das Zusatzpaket G’MIC installiert hat, eine beinahe unüberschaubare Anzahl an Filtern bietet. Eine Schwäche bei Gimp-Filtern ist jedoch das nicht so gute Anti-Aliasing (Kantenglättung). Hier kann Photoshop auch in 16-bit Farbtiefe seine ganze Stärke ausspielen.

Fazit:

Während jedes der drei Programme seine Stärken und Schwächen hat, funktioniert ihre Zusammenarbeit doch sehr gut, wenn man das Manko in Kauf nehmen will, dass der Gimp in der aktuellen offiziellen Version 2.8 eben noch keine 16- bzw. 32-bit-Farbtiefe unterstützt. Davon abgesehen ist gerade Photoshop eben ein sehr professionelles Programm mit umfangreicher Unterstützung z. B. in der Druckvorstufe. Farbmanagement unterstützen dagegen alle drei Programme. Meine Erfahrung nach ergänzen sich die drei Programme sehr gut, da ich gerade in Photoshop das Problem habe, dass das Klon-Werkzeug aus irgendeinem Grund nicht funktioniert. Zuerst hatte ich das Problem mit der in Ubuntu belegten ALT-Taste, die man in Photoshop drücken muß, damit eine zu klonende Region ausgewählt werden kann. Nachdem ich dieses Problem vorübergehend gelöst hatte, funktioniert das Klonen aktuell in Photoshop aber aus irgendeinem undefinierbaren Grund wieder nicht, so dass ich gezwungen bin, die betreffenden Bilder zum Klonen in CinePaint (und dann wieder zurück in Photoshop) zu exportieren.

Summa summarum kann man, glaube ich sagen, dass Photoshop das Programm mit dem größten Funktionsumfang ist, wenn ich auch zögere, es als das beste Programm zu bezeichnen. Es gibt da ja die Kontroverse Photoshop-Gimp, auf die ich aber nicht weiter eingehen möchte. Hier nur soviel: Photoshop ist eben ein professionelles Programm mit nunmehr beinahe dreißig Jahren Entwicklungszeit und spielt von daher in einer ganz anderen Klasse als der Gimp. Das merkt man nicht nur an den deutlich hochwertigeren Filtern, auch an solchen Details wie dem besseren Anti-Aliasing. Auch das im Gimp sehr unkomfortable Textwerkzeug ist in Photoshop wesentlich besser gelöst. Zudem kommt noch, dass Text in Photoshop zuerst als Vektorebene angelegt und erst bei Bedarf in eine Bitmap umgewandelt wird. CinePaint dagegen ist zwar auch ein Bitmap-Editor, allerdings, wie ich schon weiter oben dargelegt habe, hauptsächlich für den Film. Eine Funtion zum Anlegen von Text ist zwar vorhanden, sie ist jedoch alles andere als komfortabel.

So kann ich nur das Fazit ziehen, dass die hier besprochenen drei Programme erst im Zusammenspiel ihre ganze Stärke ausspielen können. Das ist jedenfalls meine persönliche Erfahrung. Als Einzelprogramm bietet Photoshop natürlich am meisten an Funktionalität, auch wenn ich mich da zuerst einarbeiten muß, nachdem ich jetzt seit über sechzehn Jahren hauptsächlich mit dem Gimp gearbeitet habe. Ich glaube aber nicht, dass ich dadurch irgendwie voreingenommen bin; ich habe hier ja auch die klaren Vorteile von Photoshop, der ja – mit Grafik-Tablett – auch von Matte Paintern sowie von Künstlern wie Stephan Martinière oder Sparth benutzt wird, darzulegen versucht.

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Das DPX-Format

Ein 2D-Format, das ImageMagick schreiben und lesen kann, ist das in der Post-Production verwendete .DPX-Format. DPX steht für Digital Picture EXchange Format, auch bekannt als Kodak Cineon. Auf der ImageMagick-Website finden sich ein paar Informationen zu diesem Format. DPX ist ein Bitmap-Format, das wahlweise 1-, 8-, 10-, 12-, 32- und 64-bit Farbtiefe unterstützt. Die „Encyclopedia of Graphics File Formats“ von Murray/van Ryper schreibt dazu:

„DPX is a bitmap file format used to store a single frame of a motion picture or video data stream. Multiple DPX files are used to store and exchange digital moving picture sequences between a variety of electronic and computer systems.“

An Open-Source-Programmen können beispielsweise CinePaint (lesen/schreiben) oder auch Blender (schreiben) mit DPX-Dateien arbeiten, und auch Photoshop (lesen/schreiben) unterstützt dieses Format. Allerdings konnte ich eine in Photoshop als DPX abgespeicherte Bilddatei in CinePaint nicht öffnen. Dazu muß die Datei in Photoshop mit der Endung CIN (Cineon) abgespeichert werden.